Die echte Torre Argentina
Entgegen einem weit verbreiteten Glauben ist das Türmchen, das über dem Heiligen Bezirk von Largo di Torre Argentina aufragt, nicht jener Turm, dem der Platz seinen Namen verdankt.
Die echte Torre Argentina, heute in die Casa del Burcardo eingebunden
Der Ursprung des Namens
Die echte Torre Argentina ist heute in das Gebäude des 16. Jahrhunderts im deutsch-gotischen Stil eingebunden, bekannt als Casa del Burcardo (Via del Sudario 44). Im 16. Jahrhundert wurde dieser mittelalterliche Bau von Johannes Burckardt aus Straßburg (lateinisch Argentoratum), dem päpstlichen Zeremonienmeister, umgestaltet.
Gerade vom lateinischen Namen der Stadt Straßburg, Argentoratum, erhielt der Turm den Namen „Argentina". In der Folge übertrug sich dieser Name auf das gesamte umliegende Gebiet und brachte den Ortsnamen „Largo di Torre Argentina" hervor.
Die Casa del Burcardo beherbergt heute das Theatermuseum und die Theaterbibliothek Burcardo – eine der bedeutendsten Sammlungen zur Geschichte des italienischen Theaters.
Wissenswertes zur Casa del Burcardo
Johannes Burckardt, in Italien als Giovanni Burcardo bekannt, war päpstlicher Zeremonienmeister unter fünf Päpsten: Sixtus IV., Innozenz VIII., Alexander VI. (dem berühmten Rodrigo Borgia), Pius III. und Julius II. Sein Tagebuch, das „Liber Notarum", ist eine herausragende Quelle und dokumentiert das Leben am Papsthof zwischen 1483 und 1506, einschließlich der skandalträchtigen Jahre des Borgia-Pontifikats.
Die zwei Türme im Vergleich
Die Torre Argentina
Herkunft des Namens: Aus dem Lateinischen Argentoratum (Straßburg), Heimatstadt von Giovanni Burcardo
Zeitstellung: Mittelalterlich, mit Umbauten im 16. Jahrhundert
Lage: Via del Sudario 44, in die Casa del Burcardo integriert
Merkmale: Mittelalterlicher Turm, eingebunden in einen deutsch-gotischen Bau
Die Torre del Papito
Herkunft des Namens: Von der Familie Papareschi oder vom Gegenpapst Anaklet II. Pierleoni
Zeitstellung: Mittelalterlich (12. Jahrhundert)
Lage: Largo di Torre Argentina, über dem Heiligen Bezirk
Merkmale: 17,50 m hoch, 1940 von Antonio Muñoz restauriert
Die Torre del Papito
Der Turm, den man heute am Largo di Torre Argentina sieht und der oft fälschlich für die Torre Argentina gehalten wird, ist in Wirklichkeit die Torre del Papito. Mit 17,50 m Höhe war er Teil einer größeren Anlage, die auf den republikanischen Tempeln des Heiligen Bezirks aufruhte.
Der Beiname „del Papito" geht entweder auf die Familie Papareschi (auch „de Papa" genannt) zurück oder auf die Erinnerung an den Gegenpapst Anaklet II. Pierleoni (1132–1138), jung und kleinwüchsig – daher die Verkleinerungsform „Papito" –, Rivale Innozenz' II. Papareschi. Anaklet II. soll auch die heute verschwundene Kirche San Nicola de Calcarario restauriert haben.
Der Architekt Antonio Muñoz „befreite" den Turm 1940, indem er die an zwei Seiten anliegenden Gebäude abreißen ließ. Bei der Restaurierung wurden sämtliche Fenster verändert, um dem mittelalterlichen Bauwerk seine ursprüngliche Gestalt zurückzugeben.
Detail der Torre del Papito und des angrenzenden Portikus
Der kleine Portikus
Neben der Torre del Papito hat sich ein kleiner Portikus aus Granit- und „bigio"-Marmorsäulen erhalten. Dieses Bauelement gehörte zu einem mittelalterlichen Gebäude über den Resten der römischen Tempel und stand wahrscheinlich in Verbindung mit der Kirche San Nicola de Calcarario.
Geschichtliche Chronologie des Areals
1. Jh. v. Chr.
Errichtung der Tempel des Heiligen Bezirks von Largo Argentina
12. Jahrhundert
Bau der Torre del Papito und der Kirche San Nicola de Calcarario
16. Jahrhundert
Giovanni Burcardo lässt seine Residenz umbauen, zu der auch der Turm gehört, der später Torre Argentina heißen wird
1926–1929
Archäologische Grabungen legen den Heiligen Bezirk von Largo Argentina frei
1940
Restaurierung der Torre del Papito durch den Architekten Antonio Muñoz
Heute
Die Torre Argentina ist Sitz des Theatermuseums und der Theaterbibliothek Burcardo, während die Torre del Papito fester Bestandteil der Ausgrabungsstätte von Largo Argentina ist
Eingang zum Theatermuseum und zur Theaterbibliothek Burcardo
Das Burcardo-Museum
Die Casa del Burcardo, die die echte Torre Argentina einschließt, beherbergt heute das 1932 gegründete Theatermuseum und die Theaterbibliothek Burcardo, betrieben von der SIAE (Italienische Gesellschaft der Autoren und Verleger).
Das Museum bewahrt eine umfangreiche Sammlung von Dokumenten, Handschriften, Skizzen, Kostümen und Theaterstücken zur Geschichte des italienischen Theaters vom 16. Jahrhundert bis heute. Die Bibliothek umfasst über 100.000 Bände, darunter seltene Ausgaben von Theatertexten, Drehbüchern, Opernlibretti und Fachzeitschriften.
Sie ist eine wichtige Anlaufstelle für Forschende und Theaterfreunde, die in einem Gebäude, das selbst ein Stück römischer Geschichte ist, seltene und wertvolle Dokumente einsehen können.
Besuchsinformationen
Adresse: Via del Sudario, 44 - 00186 Roma
Öffnungszeiten: Montag–Freitag, 9.30–15.30 Uhr (Einsicht nach Vereinbarung)
Telefon: +39 06 6819471
E-Mail: biblioteca.burcardo@siae.it